Johannes Cochläus
Johannes Cochläus (* 1479 in Wendelstein bei Nürnberg; † 11. Januar 1552 in Breslau), eigentlich Dobeneck, war einer der namhaftesten Gegner der Reformation.
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Cochläus besuchte in Nürnberg die Schule und befasste sich vorrangig mit Mathematik und Literatur. 1504 bezog er die Universität Köln, um Mathematik, Philosophie und Theologie zu studieren.[1] 1507 schloss er sein Studium mit dem Titel eines Magisters ab. 1510 übernahm Cochläus die Leitung der »Poetenschul« bei St. Lorenz in Nürnberg. Seine Aufgabe bestand vorrangig auch darin, humanistische Studien an der Schule einzuführen. 1512 veröffentlichte er »Pomponii Melae - tribus libris digesta«. Dieses Werk gilt als das erste geografische Schulbuch über Deutschland.[2]
Cochläus besuchte in der Nürnberger Zeit wiederholt Italien, wo er seine theologischen Studien vertiefte und mit den innerkirchlichen Konflikten jener Zeit vertraut wurde. Ursprünglich durchaus Reformbestrebungen offen, wandte sich Cochläus zunehmend päpstlichen Positionen zu.
Anfang 1520 trat Cochläus eine Stelle als Dekan an der Liebfrauenkirche zu Frankfurt a. M. an. Er beteiligte sich an den Verhandlungen mit Martin Luther beim Erzbischof von Trier, forderte Luther zu einer Disputation heraus und benahm sich so, dass man ihm lutherischerseits die hinterlistigsten Anschläge gegen dessen Freiheit zuschrieb. 1521 wartete Cochläus in Mainz vergeblich auf den zur Disputation herausgeforderten Luther. Cochläus beantwortete dessen Schmähschrift »wider den gewappneten Mann Cochläum« mit der Schrift: »adversus cucullatum monitorem«. Der Dresdner Hieronymus Emser gehörte im Lager der Reformationsgegner zu seinen wichtigsten Verbündeten. Während des Bauernkriegs musste Cochläus zeitweise nach Mainz, dann nach Köln flüchten. Bei der Verfolgung Andersdenkender ging er gnadenlos vor. 1526 übernahm Cochläus das Amt eines Kanonikus auf dem St. Victorsberge bei Mainz.
1529 rief ihn Herzog Georg, für den er eine Schutzschrift schrieb, als Nachfolger seines verstorbenen Sekretärs Hieronymus Emser nach Sachsen. 1530 trat Cochläus beim Augsburger Reichstag gegen Luther auf. Als Dank für seine Dienste im Kampf gegen die Reformation erhielt Cochläus 1535 vom Herzog das Kanonikat in Meißen. Seine Schriften erschienen jetzt bei Wolfgang Stöckel.[3]
Wegen der Einführung der Reformation in Sachsen unter Heinrich dem Frommen musste Cochläus 1539 fliehen. Er wurde Kanonikus am Dom in Breslau und machte sich weiterhin mit hasserfüllten Schriften gegen die Reformation einen Namen. Nach einiger Zeit in Eichstädt, Ingolstadt und Mainz kehrte er schließlich nach Breslau zurück. wo er starb und in der Domkirche beigesetzt wurde.
[Bearbeiten] Werke
- »Pomponii Melae - tribus libris digesta«, 1512
- »de emendanda ecclesia« 1539
- »de vita Theodorici regis Ostrogothorum«, Ingolstadt 1541
- »historia Hussitarum«, Mailand 1549
- »Martin Luther, das ist kurze Beschreibung seiner Handlungen und Inschriften der Zeit nach vom 1517. bis auf das 1546. Jahr seines Ableibens«, 1549
[Bearbeiten] Quellen
- Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 3. Augsburg 1869, S. 342.
- Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 152.
- Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 206.
- Artikel „Cochlaeus, Johannes“ von Adolf Brecher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 381–384
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Johannes Cochläus, Gegner der Reformation und Verfasser des ersten geografischen Schulbuchs über Deutschland
- ↑ Johannes Cochläus, Gegner der Reformation und Verfasser des ersten geografischen Schulbuchs über Deutschland
- ↑ Schriften von Johannes Cochläus bei Stöckel
[Bearbeiten] Weblinks
- Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Johannes Cochläus“
- Grimm, Heinrich, "Cochlaeus, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 304-306
- Werke bei books.google.com