Werner Löscher
Werner Löscher (* 19. Januar 1930; † 2. Juli 2020) war ein deutscher Eisenbahner und Verwaltungsbeamter, u.a. als Präsident der Reichsbahndirektionen Berlin und Dresden, zuletzt auch als Stellvertreter des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn.
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[Bearbeiten] Leben und Wirken
Löscher wurde mit Wirkung vom 31. März 1970 neuer Präsident der Reichsbahndirektion (Rbd) Dresden. Er übernahm das Amt von Karl-Heinz Bürger.[1] Löscher blieb knapp zehn Jahre in seiner Position als Reichsbahndirektionspräsident in Dresden. In seiner Eigenschaft als Präsident der Rbd Dresden eröffnete er auch im Januar 1972 den neuen Containerbahnhof in Zwickau als 16. Großcontainerbahnhof der DDR.[2]
1976, zu dieser Zeit im Dienstrang eines Reichsbahn-Oberdirektors erhielt er den Ehrentitel „Verdienter Eisenbahner der Deutschen Demokratischen Republik“.[3] Löscher war Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und besuchte auch die Parteihochschule der SED. In seinem Lehrgang an der Parteihochschule ab dem 1. September 1977, dem 30 Lehrgangsteilnehmer angehörten, war er zusammen mit anderen Persönlichkeiten der DDR, so u.a. dem späteren stellvertretenden Minister für Erzbergbau, Metallurgie und Kali der DDR, Karl Döring , dem ehemaligen Olympiasieger und DDR-Sportfunktionär Thomas Köhler, dem Generalmajor der Staatssicherheit Heinz Fiedler,den DDR-Diplomaten Jost Prescher und Siegfried Kühnel sowie Hermann Plankenbichler, Professor für sozialistische Betriebswirtschaft und Parteisekretär der Technischen Universität Dresden.[4]
Ab dem 1. April 1980 wurde Löscher zum Stellvertreter des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn für Eisenbahnbetriebsdienst berufen.[5]
Am 1. Juni 1983 übernahm Löscher das Amt des Präsidenten der Reichsbahndirektion Berlin von seinem Amtsvorgänger Jürgen Glaser, der als Leiter der Abteilung Rationalisierung in das Ministerium für Verkehrswesen wechselte.[6] In seine Zeit fiel die Fertigstellung der vollständigen Elektrifizierung des gesamten Berliner Außenringes, die nach einem 1983 geführten Interview mit ihm für das Jahr 1985 geplant war,[7] weiterhin die geplante Rekonstruktion von über 50 S-Bahnhöfen in Berlin.[8][9] Im Juni 1985 eröffnete Löscher eine achttägige Fahrzeugschau der Deutschen Reichsbahn auf dem Gelände des Wriezener Güterbahnhofs in Berlin.[10] Auch die Umstellung auf Selbstbedienungsautomaten der Deutschen Reichsbahn fiel in seine Amtsperiode,[11] genauso wie die weitere Streckenelektrifizierung der Reichsbahn in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre Richtung Norden, so u.a. auf der Strecke Berlin–Stralsund[12] und ab Ende der 1980er Jahre auch die Elekrifizierung der Strecke Berlin–Frankfurt/Oder, die bis Ende 1990 fertiggestellt werden sollte.[13] Eine besondere Herausforderung war für Löscher die Organisation des stark angestiegenen Transportbedarfs mit der Öffnung der innerdeutschen Grenzen ab dem 10. November 1989. Löscher berichtete der Tageszeitung „Tagesspiegel“ von einer Auslastung an Wochenenden von bis zu 350 Prozent.[14]
Löscher wurde mit Wirkung vom 1. Juni 1990 von seiner Funktion als Präsident der Reichsbahndirektion Berlin entbunden. An diesem Tag löste der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Hans Klemm, Löscher durch dessen Nachfolger in der Rbd Berlin, Manfred Möller ab. Dabei wurde spekuliert, ob Klemm Löscher allein deswegen ablöste, weil dieser Absolvent der Parteihochschule in Moskau war oder dies eine Revanche war, weil Klemm bis 1983 Löscher in dessen Funktion als Stellvertretender Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn unterstand.[15] Anschließend wurde Löscher in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet.
Löscher starb im 91. Lebensjahr. Die Trauerfeier fand am 21. Juli 2020 in der Feierhalle des Heidefriedhofes in der Moritzburger Landstraße statt.
[Bearbeiten] Veröffentlichungen (Auswahl)
- 24. März 1981: Die Ansprüche und Leistungen wachsen, Höhere Quantität und Qualität im Verkehrswesen, Artikel in der Tageszeitung „Neues Deutschland“
[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)
- 13. Juni 1976 (Tag des Eisenbahners in der DDR): „Verdienter Eisenbahner der DDR“
- 1. Mai 1986: Orden Banner der Arbeit, Stufe II, mit dem Kollektiv des Organisationsstabes „FDJ-Studentensommer“.[16]
- 7. Oktober 1989: Vaterländischer Verdienstorden der DDR in Silber.[17]
[Bearbeiten] Familie
Löscher war veheiratet. Er hinterließ bei seinem Tod zwei Töchter mit deren Familien.
[Bearbeiten] Quellen
- Traueranzeige für Werner Löscher auf trauer-anzeigen.de, abgerufen am Sonntag, 23. Februar 2025.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Direktoren und Präsidenten der Eisenbahnverwaltung auf: Königlich Sächsische Staatseisenbahn-Direction zu Dresden, Onlineartikel auf www.bahnstatistik.de
- ↑ Der 16. Bahnhof für große Kisten, Artikel in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ vom 22. Januar 1972, [page=3 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 3, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Verdiente Eisenbahner der DDR, Artikel in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ vom 14. Juni 1976, [page=2 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 2, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Karl Döring: EKO Stahl für die DDR - Stahl für die Welt: Kombinatsdirektor und Stahlmanager, Berolina-Verlag, Berlin 2015, Leseprobe auf Google Books.
- ↑ Bundesministerium für Innerdeutsche Beziehungen: Informationen - Bundesministerium für Innerdeutsche Beziehungen, 1980, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 14.
- ↑ Direktoren und Präsidenten der Eisenbahnverwaltungen auf: Königliche Eisenbahndirektion zu Berlin, Onlineartikel auf www.bahnstatistik.de
- ↑ Fliegende Monteure auf dem Berliner Außenring, Artikel in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ vom 10. August 1983, [page=8 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 8, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Platzkarten 30 Tage im voraus, Artikel in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ vom 8. Dezember 1983 [page=8 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 8, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Bald neue Linien der Straßenbahn in Marzahn, Artikel in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ vom 16. November 1984, [page=8 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 8, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Der Wriezener Bahnhof acht Tage Ausstellungsgelände, Artikel in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ vom 8. Juni 1985, [page=8 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 8, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Platzreservierung und Fahrkarte per Computer, Artikel in der Tageszeitung „Berliner Zeitung“ vom 24. Juli 1986, [page=12 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 12, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Ab September elektrischer Verkehr bis Eberswalde, Bahnstrecke Berlin–Stralsund ist ein Schwerpunkt, Artikel in der Tageszeitung „Berliner Zeitung“ vom 12. Mai 1987, [page=2 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 2, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Magistrale Berlin–Frankfurt bis Ende 1990 elektrifiziert, Artikel in der Zeitung „Neue Zeit“ vom 18. Mai 1989, [page=2 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 2, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Reisende nach Polen springen auf Züge Das Brandenburger Tor bleibt zu in: 20 Jahre Mauerfall, Artikelserie des Tagespiegels, Onlineartikel vom 25. November 2009.
- ↑ Erich Preuß: Die zerrissene Bahn: 1990-2000 : Tatsachen, Legenden, Hintergründe, Transpress-Verlag 2001, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 15 und 32.
- ↑ Hohe Auszeichnungen verliehen, Artikel in der Tageszeitung „Berliner Zeitung“ vom 29. April 1986, [page=6 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 6, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Hohe Auszeichnungen verliehen, Artikel in der Tageszeitung „Berliner Zeitung“ vom 3. Oktober 1989, [page=4 Digitalisat] im DFG-Viewer, Seite 4, Anmeldung erforderlich.