Johann Benjamin Flachs

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Wappen der Familie Flachs, erstmalig 1675 so verwendet
Die Kunst des Seifenseidens
Gedicht von Flachs von 1875 zum Pirnaer Stadtwappen


Johann Benjamin Flachs (* 26. Januar 1803 in Pirna; † 18. Mai 1881 ebenda) war ein Pirnaer Seifensiedermeister, Hauseigentümer und von 1834 bis 1875 über 40 Jahre Stadtverordneter der Stadt Pirna.[1] Außerdem übte Flachs weitere Ehrenämter der Stadt Pirna aus, beteiligte sich am Dresdner Maiaufstand, war Kandidat für die Landtagswahl und betätigte sich als Dichter und Heimatforscher. Zuletzt war er Schiffseigentümer.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Familie

Johann Benjamin Flachs entstammte der weit verzweigten Pirnaer Seifensiederfamilie Flachs. Der Name Flachs ist geschichtlich zuerst in einer Urkunde vom 14. April 1386 im Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae der Stadt Pirna mit „Hannos Flachs“ als „gesworn Ratmann“ nachweisbar. Auch drei Jahre später ist dieser Hanns Flachs als Ratsherr aufgeführt. Flachs entstammte dem dritten Ast der Familie, sein Urgroßvater väterlicherseits war der Pirnaer Seifensiedermeister Christian Gottlieb Flachs (17191779), sein Großvater Christoph Ehrenhold Flachs (17361772, Seifensiedermeister in Pirna.

Benjamin Flachs war der älteste Sohn des Pirnaer Seifensiedermeisters und Pirnaer Stadtgerichtsassessors Johann Gottlob Flachs (* 20. Februar 1771 in Pirna; † 16. Januar 1844 ebenda) und dessen 1802 in Pirna Johanna Rosina geb. Hummel (* 23. April 1773 in Frauenstein; † 24. Oktober 1849 in Pirna), Tochter des bereits zu dieser Zeit verstorbenen Frauensteiner Bürgers und Fleischhauermeisters Hummel, der aus Liebenwerda stammte. Flachs hatte noch vier jüngere Geschwister, u.a.:

Benjamin Flachs heiratete 1829 Amalie Henriette geb. Heinrich (* 14. März 1803 in Dohna; † 15. September 1875 in Pirna), die Tochter des Besitzer des Dohnaer Stadtgutes Heinrich. Das Ehepaar Flachs hatte fünf Kinder:

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Zunftwappen der Seidensieder

Flachs erlernte nach seinem Besuch der Pirnaer Stadtschule, wo er auch Latein lernte, bei seinem Vater die Kunst des Seifensiedens. Nach seiner Gesellenzeit und den Jahren der Wanderschaft kehrte er Ende 1827 zurück in seine Heimatstadt.

Hier erhielt Flachs am 3. Januar 1828 das Bürgerrecht der Stadt Pirna und wurde noch im gleichen Jahr als Seifensiedermeister in die Innung von Pirna aufgenommen. Flachs war Eigentümer des Hauses 132 in der Schuhgasse (spätere Hausnummer 15) in Pirna, wo sich auch seine Werkstatt und seine Wohnung befand.

Flachs wurde 1834, mit 31 Jahren erstmalig in das Kollegium der Pirnaer Stadtverordneten gewählt. 1848 war Benjamin Flachs Kandidat des sächsischen Gewerbevereins für die nächste Landtagswahl des Königreiches Sachsen. Dabei wurde er zusammen mit dem Pirnaer Riemermeister Carl Gottlieb Just vom Gerwerbeverein zu Pirna aufgestellt.[2] 1849 gab es am Stadtgericht Pirna eine Untersuchung gegen Benjamin Flachs (genauso wie gegen seinen Bruder Johann Gottlob Flachs) wegen der Teilnahme am Maiaufstand in Dresden vom 3. bis 9. Mai 1849. Dies wurde als Delikt gegen die staatliche Ordnung gewertet. Diese Untersuchung ist im Sächsischen Staatsarchiv erhalten.[3]

Flachs betätigte sich auch als Dichter und Heimatforscher. Von 1870 existiert von ihm ein Liedtext unter dem Titel „Das Marktschiff“. Es zeichnet in Form eines Bänkelgesangs ein Stimmungsbild einer Schiffstour auf der Elbe von Pirna nach Dresden. Heute ziert ein 2016 geschaffenes, bunt gemischtes Figurenensemble zu diesem Thema den Brunnen auf dem Untermarkt in Pirna, das den Liedtext von Flachs aufgreift.[4][5] 1875 schieb Flachs ein Gedicht über die Entstehung und die Geschichte des Stadtwappens der Stadt Pirna.[6]

Im Amt als Stadtverordneter blieb Flachs über 40 Jahre, bis 1875, dem Todesjahr seiner Ehefrau. Danach setzte er sich als Rentier zur Ruhe. Zweieinhalb Jahre später, am 3. Januar 1878, als er sein 50. Bürgerjubiläum feierte, veröffentlichte der Pirnaer Anzeige folgenden Artikel über ihn:

Im Pirnaer Adressbuch von 1879 ist Flachs als Partikulier (Schiffseigentümer) auf der Elbe nachgewiesen, womit er offensichtlich seinen Lebensabend finanzierte, nachdem er sein Seifensiedergeschäft am Pirnaer Markt an seinen Neffen Gottlob Bernhard Flachs übergeben hatte.[7] Benjamin Flachs starb zwei Jahre später im 79. Lebensjahr.

[Bearbeiten] Werke (Auswahl)

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise und Hinweise

  1. Deutsches Geschlechterbuch, Band 180, 1979, Snippet-Vorschau auf Google Books, S. 168.
  2. Programm des Gewerbevereins in: Leipziger Zeitung, 1848, Digitalisat auf Google Books, S. 7821f.
  3. Archivale 13758, Stadt Pirna, Stadtgericht, 1849, Datensatz im Sächsischen Staatsarchiv.
  4. Silvio Kuhnert: Pirnas neuer Hingucker: Bronzeskulptur ziert den Brunnen auf dem Untermarkt, Onlineartikel der DNN vom 23. Juni 2016, abgerufen am 15. März 2025.
  5. Die Geschichte des Pirnaer Marktschiffes, Onlineartikel vom 7. Mai 2022 auf: Andre Liebscher, ihr Stadtrat für unser Pirna, abgerufen am 15. März 2025, Onlineversion auf stadtrats.blog.
  6. Imke Günther: Stadtwappen der Stadt Pirna, Entstehung und Geschichte in: ERLPETER, Kulturblatt für Pirna, Ausgabe 11, Mai 2002, pdf-Download, S. 2, Quelle: Pirnaer Sagen und Geschichten, Dr. Flachs, erschienen Im Selbstverlag 1918.
  7. Adreß- und Geschäftshandbuch der Stadt Pirna.., 1879, S. 66, SLUB

[Bearbeiten] Weblinks

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